Seftigen
Lage
Die Gemeinde Seftigen befindet sich im oberen
Gürbetal. Das Dorf liegt auf dem Endmoränenhügel
des Belpbergs, eingebettet zwischen dem Wald im Norden und der Widerhub
im Süden. Im Westen greift das Gemeindegebiet in die Gürbeebene
hinaus bis unmittelbar zur Bahnhofanlage Burgistein-Wattenwil der
Gürbetalbahn. Der rund 55 Haushaltungen zählende Weiler
«Allmend» gehört politisch zur Einwohnergemeinde
Seftigen, verfügt aber über eine eigene Post. Im Osten
erreicht das Gemeindegebiet den Rand des Limpachtälchens. Die
Gemeinde liegt an der Linie der Gürbetal–Bern–Schwarzenburg-Bahn
mit direkter Verbindung nach Thun und via Belp nach Bern. Die Distanz
nach Thun beträgt 10 km und nach Bern 25 km. Die nächstgelegene
Autobahnzufahrt Thun-Nord ist in 5 Autominuten erreichbar.
Geschichte
Urkundlich erwähnt wurde «Seftingen»
im Jahre 1277. Besiedelt wurde das Dorf von Römern und Alemannen.
Bei Ausgrabungen Anfang der Neunzigerjahre konnten Zeugen aus dieser
Zeit gefunden werden. Die ersten bekannten Besitzer des Orts waren
die Herren von Burgistein. Als im Jahre 1345 die Söhne Jordans,
der im Laupenkrieg umgekommen war, ihr Erbe teilten, fiel Seftigen
mit Twing und Bann an die Brüder Jordan und Konrad. Gegen Ende
des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts wurden die herrschaftlichen
Rechte von Burgistein abgetrennt. Vermutlich geschah dies unter
Ludwig von Seftigen. Dieser entstammte einer in Freiburg niedergelassenen
Familie, die durch Verschwägerung mit den Münzer nach
Bern kam, in Seftigen selbst jedoch keine ursprünglichen Rechte
besass. 1395 erbte Ludwig von Werner Münzer die Feste Burgistein
mit Seftigen. Später gelangte die Hälfte des Orts an das
obere Spital in Bern. Von diesem ging sie durch Kauf an den Schultheissen
Jakob von Wattenwyl, der die Neuerwerbung wieder der Herrschaft
Burgistein einverleibte, die ihm durch Heirat zugefallen war. Seftigen
vererbte sich nun zum halben Teile in der Familie Wattenwyl bis
Juliana, die Tochter des Hieronymus, den Ort ihrem Gemahl Emmanuel
von Graffenried schenkte, dessen Nachkommen ihn bis ins 19. Jahrhundert
besassen. Die andere Hälfte des Dorfs gehörte der Familie
Seftinger und kam Anfang des 15. Jahrhunderts an Petermann von Büren.
Anfang des 18. Jahrhunderts teilten sich die Herrschaft Burgistein
und die Herren von Büren-Vaumarcus in die Verwaltung der Zivilgerichtsbarkeit
im Dorf. Von 1388 bis 1798 bildete Seftigen den Mittelpunkt eines
der bernischen Landgerichte. Noch im 18. Jahrhundert war unter der
Linde im Hüsi der Landstuhl zu sehen. Das Landgericht wurde
vom Venner zu Pfistern verwaltet und umfasste den heutigen Amtsbezirk
Seftigen sowie die am linken Aareufer gelegenen, heute dem Amt Thun
angegliederten Ortschaften. 1803 verlegte die Obrigkeit den Amtssitz
des neu geschaffenen Bezirks nach Belp. Das Dorf war in früheren
Zeiten nach Kirchdorf pfarrgenössig. 1664 wurde es der benachbarten
Kirche Gurzelen zugeteilt. 1714 wurde das Dorf Seftigen durch einen
schrecklichen Brand teilweise zerstört. 71 Firsten fielen der
Katastrophe zum Opfer.
|